Daheim

Wohnen

Um 1900 schauten die Bauern dem Bürgertum das
Wohnzimmer mit repräsentativem Mobiliar und Wandschmuck ab. Die „gute Stube“ wurde nur sonntags beheizt und bewohnt, etwa indem sich die Familie nach dem Kirchgang dort lesend und singend weiter mit dem Glauben beschäftigte. In ganz Württemberg verbreitet war die pietistische Lithografie vom breiten und vom schmalen Weg, welche die Folgen eines sündhaften bzw. gottgefälligen Lebenswandels anschaulich illustriert.

Charlotte Luise Reihlen, geb. Göz, die von 1808 bis 1823 als Pfarrtochter in Weissach lebte, entwarf das Bild. Später gründete sie das erste Mädchengymnasium in Stuttgart und die Kinderkirche.

Zur Zimmereinrichtung gehörte auch ein Tisch mit Bank und Stühlen, denn in früheren Zeiten war die Wohn- auch Arbeitsstube und wurde täglich genutzt. Hauptsächlich die Frauen webten, nähten, spannen und strickten hier. Sie stellten ihre Aussteuer her und erledigten Heimarbeiten, so im 19. Jahrhundert für eine Calwer Wollfabrik. Auch mancher Handwerker arbeitete in der Stube. Um 1900 verlagerte sich der Alltag in die Küche, wo der Herd Wärme spendete. Alle anderen Kammern im Haus waren unbeheizt. Hier war es nur im Bett warm – oder beim Vieh im Stall, der sich im Erdgeschoss unter den Wohnräumen befand. Die Tiere mussten morgens und abends versorgt werden.

Der Raum, der im Museum mit Flachter Mobiliar als  bäuerliche Wohnstube eingerichtet ist, war 1910 eine Schlafkammer der Lehrerfamilie. Diese hatte eine große Wohnung mit drei weiteren größeren Zimmern rechts davon, die heute zu einem Museumsraum zusammengefasst sind.

Nähende, 1940er Jahre
 
Familienfest, 1963
 
Mittagsschläfchen, 1934