Draußen - Handwerk

Handwerk

Jahrhundertelang war die von der ganzen Familie betriebenen Landwirtschaft der Haupterwerb auf dem Dorf. Daneben übten einige Bauern ein Handwerk aus und deckten so den örtlichen Bedarf. Zunächst war das Handwerk ein Nebenerwerb. Während die Alltagskleidung selbst genäht wurde, gab man die „Sonndichskleider“ beim Schneider oder der Näherin in Auftrag. Das Schuhwerk war stark beansprucht, weil fast alle Wege zu Fuß zurückgelegt wurden. Deswegen gab es viele Schuhmacher. Bevor um 1840 öffentliche Backhäuser gebaut wurden, ließen die Frauen ihren selbstgemachten Teig beim Bäcker backen. Sonntags kaufte man bei ihm Brezeln. Gabeln, Schaufeln, Rechen, andere Werkzeuge und Töpfe kamen als Einzelanfertigung vom Schmied oder Schlosser. Heute sind Motorisierte Universalwerkzeuge und Maschinen an die Stelle der handgearbeiteten Werkzeuge getreten. Eine Ziegelei in Flacht (1700 bezeugt) und mehrere Steinbrüche in Weissach lieferten Baumaterial; Maurer und Zimmerleute errichteten Häuser und Scheunen. Mangels an Bedarf an Produkten wie Pferde- und Kuhgeschirr, Räder, Fässer und Gölten gibt es hier keine Sattler, Küfer und Wagner mehr. Das Berufsbild anderer Handwerker hat sich stark verändert, dennoch bestehen einige Betriebe hier seit dem 19. Jahrhundert. Mit dem zunehmenden Angebot industriell gefertigter Produkte seit den 1880er Jahren  waren die Handwerker nur noch zum Flicken und Reparieren gefragt, dies jedoch häufig. Denn weggeworfen wurde nur, was gar nicht mehr auszubessern war. 
Zimmerleute bei der Vergrößerung des Keltergebäudes, Weissach, 1912


Eintrag im Arbeitsbuch des Karl Kilpper
(heute Stuhlfabrik Kilpper): "Art des Betriebes Holzdrechslerei und Landwirtschaft", 1940