Rückblick

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Franz Heinrich Gref

Rezension in der Leonberger Kreiszeitung, 18.8.2015:

"Ein künstlerischer Chronist des ländlichen Lebens

Weissach Noch bis 20. September sind Werke von Franz Heinrich Gref im  Heimatmuseum  Flacht zu sehen. Barbara Bross-Winkler


Orient und Okzident treffen bei dieser Vernissage zur Ausstellung 'Franz Heinrich Gref - Gemälde und Zeichnungen' im früheren  Flachter Schulhaus in zwei unterschiedlichen Kunstformen aufeinander - und passen bei allen Unterschieden doch ausgezeichnet zusammen. Bevor im  Flachter  Heimatmuseum die Türen zum Ausstellungsraum geöffnet werden, lädt der Vorsitzende des Heimatvereins, Jörg Schweikhardt, die Gäste zu einem Musikgenuss in der Galerie Sepp Vees im Erdgeschoss ein.


Unter den Besuchern sind auch die Gref-Enkel Adelheid Gaffron und Heinrich Gref. Der Chor 'Sahar', vor einem halben Jahr gegründet, lässt vier traditionelle und klassische persische Lieder erklingen, Sie zeichnen sich allesamt durch eine eigenwillige fröhlich-melancholische Stimmung aus. Sahar, die Morgenröte, heißt nicht nur der Chor, sondern auch die Tochter der aus dem Iran stammenden Konzertpianistin, Komponistin und Chorleiterin Soraya Vahab.


Nachdem das zweite Lied, 'Ye goli saieh chaman', eine blühende Knospe, verklungen ist, erzählt die Museumsleiterin Barbara Hornberger davon, wie die Idee zur Gref-Schau entstanden ist. 'Im Oktober 2013 ist im  Heimatmuseum die Ausstellung ?Unsere Landschaft aus Künstlersicht' eröffnet worden', sagt Hornberger. Bei der waren unter den Arbeiten von mehr als 20 Künstlern auch jene von Franz Heinrich Gref zu sehen. Danach, so die Museumschefin, sei an sie der Wunsch herangetragen worden, dem 1957 gestorbenen Maler eine ganze Ausstellung zu widmen.


Mit Hilfe des Stuttgarter Galeristen Andreas Henn ist das nun geschehen. Zu sehen sind Werke von Gref aus den Jahren 1900 bis 1954. Idylle, eine große innere Ruhe und aufgeräumte Behaglichkeit strahlen die Bilder von Gref aus, bei deren Anblick man sich auf die Suche nach der Ursprünglichkeit des menschlichen Daseins, nach ähnlichen Oasen der Entschleunigung begeben möchte. Sie zeigen Landschaften wie jene um den Engelberg oder Weilimdorfer Felder, Bauern bei der Arbeit, beim Stutzen von Weiden, bei der Ernte und beim Tierhüten, aber auch bei der Rast. Das alltägliche Leben, alltägliche Dinge.


Vor allem aber sind in der  Flachter Schau jene Maler-Modelle zu sehen, die Franz Heinrich Gref offenbar allen anderen vorzog: Tiere wie Hühner, Tauben, Enten, Schafe, Schweine oder Kühe. Ölmalerei, Bleistift-, Rötel und Federzeichnungen sowie einige Aquarelle sind ausgestellt. 'Göckeles-Maler' - diesen Spitznamen hatte Gref schon als ganz junges Zeichentalent von seinem Vater bekommen - und als solcher ist der 1872 in Stühlingen bei Waldshut geborene Künstler auch bis zum Ende seines Lebens im Stuttgart Stadtteil Weilimdorf bekannt und beliebt gewesen, wo er 40 Jahre gelebt hat. Gref sei ein ausgezeichneter Zeichner mit einer überaus soliden Ausbildung gewesen, so Henn. Für damalige Verhältnisse hat er ungewöhnlich lange gelernt und studiert. An der Karlsruher und später den Straßburger und Kölner Kunstgewerbeschulen.


Später, nach dem Tod der Eltern, konnte er sich dank des Erbes ein Studium in München leisten und 1900 nahm er ein Kunststudium an der Karlsruher Akademie und später an der Stuttgarter Kunstakademie auf. 1923 verließ Gref den Stuttgarter Kunstverein und trat der neu gegründeten Stuttgarter Sezession bei.


Viele dürften den Künstler von seinen Außenfresken an der Stuttgarter Markthalle kennen - oder beim nächsten Einkauf einmal genauer hinschauen. Vielleicht hat manch einer auch noch eine 'Fibel für die evangelischen Volksschulen in Württemberg' auf dem Dachboden, die Gref illustriert hat. Oder kennt ihn von einem seiner vielen Glasfenster in Kirchen wie Ulm, Brackenheim, Eglosheim oder Winnenden.


In Grefs frühen Bildern finden sich vielfach erdige Farbtöne. Die späteren Bilder dieses Chronisten ländlichen Lebens rund um seinen Lebensort Weilimdorf und weit darüber hinaus, zeigen eine hellere Palette. Geblieben ist seinen Ölbildern dank der farbigen Grundierung und der mit der Pinselspitze aufgestupften Farbe eine oft seidig schimmernde Oberfläche.


Die entfacht im Verbund mit den ländlichen Motiven und der grandiosen Ruhe und der stillen Zufriedenheit, die diese ausstrahlen, eine unbestimmte Sehnsucht nach der verlorenen Zeit.



Weissach und Flacht während der Kriege seit 1809

Das Heckengäu in der Kunst

 

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